Europäische Harmonisierung bei Cloud Computing

02.08.2013 , by Helmut Fallmann    

Das Europäische Parlament hat vor kurzem in einer Entschließung aufgezeigt, welch enorme digitale Hebelwirkung auf alle Wirtschaftssparten die völlige Freisetzung des Cloud Computing Potenzials hätte. Bis 2014 werden in der Union rund 60 Prozent der gesamten Serverleistung aus Internet-Infrastrukturen bezogen werden. Die Erträge werden auf rund 148,8 Mrd. Euro anwachsen.

Für Geschäftskunden ergeben sich aus der Nutzung von standardisierten Cloud-Diensten eine vorteilhafte Umwandlung von Investitionskosten in Betriebsausgaben sowie die rasche Verfügbarkeit zusätzlicher Speicher- und Verarbeitungskapazitäten in Abhängigkeit vom jeweiligen Bedarf. Mit Cloud Computing lassen sich auch die Chancen von KMUs im globalen Markt verbessern und öffentliche Dienste profitieren vom IT-Bereitstellungsmodell durch Einführung leistungsstarker Technologien und Anwendungen, insbesondere im Bereich des elektronischen Gesundheitswesens sowie bei Bildungs- und Verkehrsdiensten.

Was derzeit einem echten Durchbruch der Cloud-Dienste in Europa aber noch entgegen steht, ist die starke Diversifizierung der Anbieterlandschaft mit ihren jeweils eigenständigen Lösungsansätzen und das mangelnde Kundenvertrauen in Systemsicherheit und Datenschutz. Die Europa-Parlamentarier sind sich einig, dass nur eine Lichtung des Normen-Dschungels, sichere und faire Vertragsbedingungen für Cloud-Anwender und eine starke europäische Cloud-Partnerschaft die Umkehr einleiten können.

Unter der Voraussetzung flächendeckender, leistungsstarker Kommunikationsnetze und Systemsicherheit auf Transportwegen und in verteilten Kommunikations-Hubs sowie der begleitenden Gestaltung rechtlicher Rahmenbedingungen für Datenschutz und Sicherheit wird Cloud Computing in den nächsten Jahren starke Verbreitung finden und seine ökonomische Wirkung voll entfalten können.

Im technischen Bereich geht es um Fragen der Entwicklung einheitlicher Standards und offener Spezifikationen, die für ein hohes Maß an Interoperabilität und für die einfache Übertragung von Datenbeständen und Applikationen bei Anbieter-Wechsel sorgen sollen. Im juristischen Bereich muss ein flexibles Vertragsrecht entwickelt werden, mit dem sich Fragen des Standorts der Datenspeicherung und des Quality of Service für Datenübertragungen und -abrufe in Bezug auf definierte Kundenanforderungen regeln lassen.

Öffentliche Einrichtungen müssen Vorreiterrolle übernehmen

In der angepeilten europäischen Cloud-Partnerschaft müssen öffentliche Einrichtungen eine Vorreiterrolle übernehmen. Mit einer verstärkten Koordination zwischen großen Cloud-Anwendern, die genormte Dienste von europäischen Cloud-Anbietern mit Infrastrukturen und Rechner-Ressourcen aus Europa nutzen, wird die derzeitige Technologie-Zersplitterung überwunden und für nachfolgende Geschäftskunden Rechtssicherheit und Vertrauen in Datenschutz aufgebaut werden können.

Verschärfung der EU-Datenschutz-Regeln

Mit der Verschärfung der EU-Datenschutz-Regeln, wie sie Viviane Reding, die Präsidentin der EU-Kommission, Mitte Juni in einem Artikel in der New York Times angesprochen hat, hat Europa angesichts des PRISM-Skandals eine neue Tonart angeschlagen. Anbieter von ausländischem Equipment, mit dem z.B. Datenbestände aus Clouds abgerufen werden können, müssen sich künftig streng an den EU-Datenschutz halten. Im einem reformierten Regelwerk wird es eine viel präzisere Definition dafür geben, was als ‚persönliche Daten‘ an zu sehen ist. Auch die Anwendbarkeit von Regeln zur autorisierten Abfrage von Daten von Behörden wird auf Infrastruktur- und damit Cloud-Betreiber ausgeweitet. Schlussendlich wird klar festgelegt werden, unter welchen rechtlichen Voraussetzungen Daten von europäischen Unternehmen und Bürgern an ausländische Ermittlungsbehörden weiter gegeben werden dürfen.

Mit diesem rechtlichen Schulterschluss auf gesamteuropäischer Ebene könnte künftig eine große Barriere für Cloud Computing wegfallen. Im Technologiebereich wurden die Weichen bei ETSI und ENISA ebenfalls auf Harmonisierung gestellt.

Europa muss seine IT-Hoheit zurückgewinnen

Ich weiß mich daher mit meiner Forderung nach „United Clouds of Europe“ mit den politischen europäischen Gestaltungsträgern einig. Nur eine gemeinsame Technologie, eine offene europäische Cloud-Plattform mit einheitlich hohen Sicherheitsstandards wird Europa seine IT-Hoheit zurückgeben. Und die neuen Rechtsregeln zu Datenschutz und Privatsphäre werden im Verbund mit der Datenspeicherung und Verwaltung von Applikationen in Europa sowie mit Gerichtständen im Anbieterland das Kundenvertrauen in Cloud Computing entscheidend verbessern.

„United Clouds of Europe“ kann zum mächtigen Treiber der Vollendung des digitalen Binnenmarktes werden. Die größere Konvergenz in Technologie und Rechtsprechung wird Nachfragehindernisse auf allen Ebenen beseitigen und damit auch die Kernziele der 2020-Inititative „Digitale Agenda für Europa“ wie Breitbandausbau, Frequenzvergabe und Datenschutz massiv abfedern sowie die herausragende Stellung Europas bei der Entwicklung von serviceorientierten Architekturen potenzieren.

„United Clouds of Europe“ ist die Vision, die wir jetzt leben müssen!

Prism, EU-Datenschutz

 

 

 

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