United Clouds of Europe

14.06.2013 , by Helmut Fallmann    

Will Europa nicht Amerika kampflos das Wirtschaftspotential des lukrativen Zukunftsmarktes Cloud Computing überlassen, gilt es, jetzt gemeinsam und entschlossen zu handeln.

Cloud Computing nennt man die bedarfsgerechte Bereitstellung von IT-Ressourcen aus virtuellen Serverarchitekturen im Internet. In Amerika hat sich Cloud Computing längst als Wirtschaftsmotor etabliert. Die US-Online-Giganten Amazon, Apple, Facebook und Google setzen schon länger gezielt auf die Speicherung von Daten und Software in der Wolke und bedienen ihre Kunden kostengünstig mit einfachen Zugangslösungen und IT-Anwendungen auf Cloud-Plattformen. Mit großzügig dimensionierter, landesweiter on-Demand Infrastruktur und Services haben sich die USA wieder einmal überlegen in die Pole-Position des globalen IT-Business gebracht.

Wenn Europa nicht wie in der Vergangenheit bei ihrer Computer- oder Autoindustrie Amerika kampflos das gesamte Wirtschaftspotential eines lukrativen Zukunftsmarktes überlassen will, gilt es jetzt gemeinsam und entschlossen zu handeln. Nur mit einem weitreichenden Aktionsplan kann der „alte" Kontinent nicht nur seine globale Wettbewerbsfähigkeit auf Basis innovativer Informationstechnologien stärken, sondern seine hoch entwickelten Industrien insgesamt aufwerten und damit Arbeitsplätze und Wohlstand sichern.

Europäische IKT-Politik braucht gemeinsames Handeln oder "United Clouds of Europe"

Vor wenigen Jahrzehnten noch präsentierte sich Europas Computerindustrie in multinationaler Vielfalt. Heute ist von diesen einst starken Marken wie Olivetti oder Bull so gut wie nichts übrig geblieben. Die Amerikaner hingegen haben mit Microsoft, Apple oder Hewlett Packard den Weltmarkt überrollt. Nur in der Luft- und Raumfahrt ist es Europa mit grenzüberschreitender Ko-Produktion etwa bei Airbus Industries oder Arianespace gelungen, ein schlagkräftiges Pendant zur amerikanischen Industrie auf die Beine zu stellen.

Ganz nach diesem Muster haben sich die USA auch bei den die IT-Industrie gerade revolutionierenden Cloud-Diensten längst hervorragend in Position gebracht - nicht nur technologisch, sondern auch durch die von der Politik begleitend gestalteten Rahmenbedingungen.

So hat erst zu Jahresbeginn Präsident Barack Obama grünes Licht zur Verlängerung des „Foreign Intelligence Surveillance Act" (FISA) gegeben, der es US-Geheimdiensten gestattet, alle Daten von Nicht-US-Bürgern, die auf den großen, globalen Datenbanken gespeichert sind, ohne Wissen der Dateninhaber und ohne richterliche Genehmigung abzufragen.

Etablierung eines gesamteuropäischen Cloud-Marktes

Europa braucht daher einen schlagkräftigen Aktionsplan, mit dem ein Grundkonsens zwischen europäischen Cloud-Unternehmen erzielt wird. Die Forderung nach „United Clouds of Europe" steht übrigens in engem Einklang mit der „Europäischen Cloud Strategie" im Rahmen der europäischen 2020 Initiative „Digital Agenda for Europe". Mit dieser Strategie soll der europäische Binnenmarkt unter anderem auf Basis ultraschneller Internetverbindungen bis zum Jahr 2020 zum wettbewerbsfähigsten IKT-Markt der Welt umgestaltet werden.

EU-Kommission fordert „europäisches" Denken

Die dafür verantwortliche Vizepräsidentin der Europäischen Kommission Neelie Kroes appellierte daher folgerichtig an „ein europäisches Denken", um das hunderte Milliarden Euro schwere Potenzial von Cloud-Computing und Millionen neuer Jobs in Europa in vollem Umfang zu nutzen. In einem europäischen Ansatz braucht es drei wesentliche Schritte: Erstens einheitliche Standards und Zertifikate zur Vergleichbarkeit von Cloud Services durch die Kunden. Zweitens sichere und faire Verträge, mit denen die Art der Datennutzung und die Verantwortlichkeit für Datenbesitz und Datenspeicherung geregelt werden. Und drittens die Etablierung einer europäischen Cloud-Partnerschaft, durch die der Cloud-Markt gemeinsam gepusht werden kann.

Die europäischen IT-Unternehmen und die EU-Kommission müssen daher rasch einen kontinentweiten Aktionsplan in eine gemeinsame europäische Strategie einbetten und konsequent umsetzen. Denn ohne „United Clouds of Europe" wird der Wirtschaftsstandort Europa noch weiter ins Hintertreffen geraten.

Mindeststandards und Rechtssicherheit

Europa braucht zertifizierte Mindestqualitätsstandards bei Infrastruktur, bei Datensicherheit und beim Datenschutz. Die Nutzer von Cloud-Diensten müssen ferner Gewissheit darüber haben, dass ihre Daten bei europäischen Cloud-Anbietern in europäischen Rechenzentren gehalten werden. Einheitliche Nutzungsverträge sollen zusätzliche Rechtssicherheit schaffen. Auch die Source Codes für die Cloud-Dienste sollen vollständig in Europa liegen.

Schutz digitaler Identitäten und durchgehende Funktionalitäten

Für eine europaweite Nutzung haben die Anbieter ihre Angebote auch vielsprachig und barrierefrei auszurichten. Weiters werden der bestmögliche Schutz digitaler Identitäten, Suchfunktionen über alle „United Cloud Services of Europe" hinweg sowie gemeinsame Standards für Support, das Monitoring von Nutzer-Erfahrungen und das Reporting den Erfolg des Maßnahmenpaketes mitbestimmen.

Technologieoffenheit und Interoperabilität

Der alles entscheidende Faktor wird aber in einer Technologieoffenheit ohne Ausgrenzung liegen. Nur mit auf Standards basierender Interoperabilität von Cloud-Services mit Single-Sign-On, der Unterstützung aller relevanten Plattformen sowie mobiler Endgeräte und mit der Verwendung genormter Content-Formate wird sich ein großer gemeinsamer Markt für diese Zukunftstechnologie etablieren lassen.

Cloud-Computing als Chance für Europas

Wirtschaft Cloud-Computing ist eine Chance, die unsere europäische Wirtschaft im globalen Wettstreit um Marktanteile und die Entwicklung innovativer Technologien nicht versäumen darf. Nur ein ambitionierter, effektiver und gesamteuropäischer Vorstoß kann hier zum Erfolg führen.

PRISM, United Clouds of Europe

 

 

 

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